StartHub Hessen
Nachrüst-Satz zum Dimmen von Straßenbeleuchtung

Wie das Eschborner Start-up Enviotech Straßenlaternen smart macht

Enviotech will schlichte Leuchten am Straßenrand zu cleveren Laternen umwandeln – mit einem speziellen Nachrüst-Set. So möchte das Start-up aus Eschborn dafür sorgen, dass die Lampen nachts nur noch dann in voller Stärke leuchten, wenn sie wirklich gebraucht werden.

Enviotech Logo
Kategorie
Energie
Reportage
Nachhaltigkeit
Standort
Eschborn
Gründungsjahr
2022
Stand vom 04.03.2025

Nein, so wirklich intelligent kommen Straßenlaternen im Moment noch nicht daher. Sobald es dunkel wird, springen sie an und leuchten dann durch, bis am nächsten Morgen die Sonne aufgeht – ganz egal, ob jemand an ihnen vorbeigeht oder nicht. Genau dieser Zustand ist Adrian Rhaese und Florian Römer ein Dorn im Auge. Denn Laternen, die nachts kaum gebraucht werden und trotzdem ständig strahlen, verschwenden ihrer Meinung nach eine Menge Energie. Ihr Rezept, um das zu ändern: Straßenlaternen sollen smart werden – und nur noch dann unter Volllast leuchten, wenn sich Fußgänger oder Radfahrer nähern.

Kleines Nachrüst-Kit verpasst Straßenlaternen ein „Intelligenz-Upgrade“

Mit diesem Ziel vor Augen hat Rhaese Ende 2022 Enviotech gegründet. Florian Römer sowie Dustin Arnold und Linh Pham, die heute gemeinsam mit Rhaese das Team von Enviotech bilden, stießen vor einigen Monaten als Co-Founder zum Start-up dazu. Ihr Mittel, um einer gewöhnlichen Laterne ein Intelligenz-Upgrade zu verpassen, ist ein kleines Kästchen aus Metall, ungefähr so groß wie eine tragbare Spielkonsole. Dieses Nachrüst-Kit wird in den Laternenmast eingebaut, damit die Lampe erkennen kann, dass sich ihr eine Person nähert und sie ihre volle Leucht-Leistung abruft. Einmal smart gemacht, kann die Lampe zudem mit ihren „Nachbarn“ kommunizieren. „Dadurch gehen gleich mehrere Lampen hintereinander auf dem Weg an“, erklärt Rhaese. Komplett dunkel soll es auch mit den von Enviotech nachgerüsteten Laternen nicht werden. „Die Leute wollen nicht, dass die Lampen komplett ausgeschaltet sind, wenn niemand da ist. Daher dimmen wir sie auf etwa 30 Prozent, sobald sie nicht gebraucht werden“, sagt Rhaese.

Porträt Adrian Rhaese © Enviotech
Adrian Rhaese
Gründer und Geschäftsführer Enviotech

„Mit unseren Nachrüst-Sätzen lässt sich 70 Prozent des bisherigen Energieverbrauchs einsparen, auch bei LED-Laternen.“

Als Kunden nehmen Rhaese und Römer Kommunen in den Blick, die für den Betrieb ihrer Laternen-Netze zuständig sind. Dass die Rathäuser mit der Technologie nicht nur Strom, sondern auch reichlich Geld sparen können, davon ist das Enviotech-Team überzeugt – übrigens unabhängig davon, ob der jeweilige Ort seine Laternen bereits auf energiesparende LED-Technik umgerüstet hat oder nicht. „Wir wollen alle Laternen nachrüsten, egal ob sie LED-Technik verwenden oder nicht“, sagt Rhaese. „Mit unseren Nachrüst-Sätzen lässt sich in allen Fällen 70 Prozent des bisherigen Energieverbrauchs einsparen, auch bei LED-Laternen.“ Nach ungefähr einem Jahr, erklären Rhaese und Römer, hätten die Kommunen ihre Investition durch den niedrigeren Stromverbrauch wieder reingeholt. „Neben dem Energieverbrauch reduziert unsere Technik durch die gedimmte Beleuchtung zudem die Lichtverschmutzung“, betont Rhaese.

Zwei Jahre Entwicklungszeit vergingen bis zum fertigen Produkt

Rund zwei Jahre Entwicklungszeit hat Enviotech, gemeinsam mit einem Partnerunternehmen, in das mittlerweile fertige Nachrüst-Kit investiert. Sorgfalt sei dem Team dabei wichtiger gewesen als Schnelligkeit, betont Römer. Nun steht das Enviotech-Team kurz davor, seine Nachrüst-Sätze erstmals in größerer Zahl in Laternen einzubauen. Dafür wurde die Stadt Eschborn als Pilotkundin gewonnen. „Wir fangen mit einem Straßenzug an und wollen anschließend die Laternen in der ganzen Stadt umrüsten“, schildert Rhaese. Wenn es um den Einbau geht, arbeitet Enviotech mit den Kommunen oder den örtlich zuständigen Stadtwerken zusammen. „Wir liefern die Hardware, die Partner vor Ort übernehmen den Einbau“, sagt Rhaese. „Die Geräte sind so einfach konstruiert, dass den Einbau jeder Elektriker übernehmen kann.“ Intelligent sollen die Laternen im Übrigen nicht nur durch ihre Dimm-Funktion und Bewegungserkennung werden. Zusätzlich wird der Zustand der Lampen digital erfasst. Über ein Dashboard kann die Kommune somit den gesamten Zustand ihres Laternennetzes auf einer digitalen Karte einsehen. „Dadurch sieht man sofort, wenn eine Laterne defekt ist und muss nicht warten, bis sich Anwohner melden“, sagt Rhaese.

Porträt Adrian Rhaese © Enviotech
Adrian Rhaese
Gründer und Geschäftsführer Enviotech

„Es spricht nichts dagegen, dass wir das auch europaweit ausrollen.“

An Kommunen, die nach dem Abschluss der Pilotphase in Eschborn Interesse am Einsatz der Technik von Enviotech haben, mangele es aktuell nicht, freuen sich Rhaese und Römer. Doch das Start-up steht derzeit vor einer anderen Herausforderung. „Wir brauchen Kapital, um die Hardware vorzufinanzieren“, erklärt Römer. Aus diesem Grund befinde man sich aktuell in Gesprächen mit potenziellen Investoren, Business Angels ebenso wie Venture Capital-Gebern. „Für eine erste Finanzierungsrunde streben wir 500.000 Euro an“, umreißt Römer das Ziel.

Ein Faktor fällt bei Enviotech direkt auf – das Alter der Gründer

In den Investorengesprächen, etwa 30 hat das Start-up bislang geführt, kommt nicht selten ein weiterer Faktor zum Tragen, der sofort ins Auge sticht, wenn man das Enviotech-Team trifft. Die Gründer sind noch ziemlich jung, Römer ist 19 Jahre alt, Rhaese ein Jahr älter. Beide haben im vergangenen Jahr Abitur gemacht, arbeiten heute als Kollegen und Duale Studenten bei der Deutschen Bank, studieren an der Frankfurt School of Finance and Management in Frankfurt – und widmen sich in der verbleibenden Zeit ihrem Start-up. „Manche Investoren sind von unserem Alter abgeschreckt, das ist teilweise schade“, sagt Rhaese. Dass sie das benötigte Kapital dennoch zusammenbekommen, da zeigen sich Rhaese und Römer zuversichtlich – denn trotz ihres Alters gebe es auch viele potenzielle Geldgeber, die Interesse bekundeten.

Rhaese, der Enviotech als Schüler gründete, entdeckte seine Begeisterung für die Start-up-Welt im Allgemeinen und das Thema Straßenbeleuchtung und Energieverbrauch bei einer Pitch-Veranstaltung, bei der es um „Urban Environment“ ging. Die passende Kapitalausstattung vorausgesetzt, sieht der Gründer für Enviotech gute Wachstumschancen sowohl innerhalb Deutschlands als auch darüber hinaus. „Es spricht nichts dagegen, dass wir das auch europaweit ausrollen“, sagt Rhaese. Laternen gibt es auf dem Kontinent schließlich zur Genüge – ebenso wie Straßen, die Enviotech mit seiner Technik ins passende, gedimmte Licht rücken möchte.

Kontakt zu Enviotech

Adrian Rhaese

Geschäftsführer

Theodor-Heuss-Straße 29 61118  Bad Vilbel